Reisebericht 2011

Togo-Reisebericht-2011

von Anton Weber

Am frühen Morgen des 28.10.11 startete die in der Vereinsgeschichte bisher größte Reisegruppe mit 9 Personen von Stuttgart über Paris nach Lomé – der Hauptstadt Togos. Am Flughafen wurden wir von Léon, Marie, Aristide, Robert D., Emanuel, Judith und weiteren Vertretern des Solidarité aufs Herzlichste empfangen. Traditionsgemäß sind wir zu „Chéz Alice“ am Stadtrand von Lomé gefahren, um dort unsere erste Nacht zu verbringen.

Samstag 29.10.11
Nach einem herzhaften Frühstück sind wir am nächsten Morgen  direkt nach Kpalimé weitergefahren und haben dort unser Basisquartier im „Schwabennest“ bezogen. Das Schwabennest ist ein kleiner Anbau mit drei Zimmern,  DU/WC, welcher schon vor vielen Jahren von Vereinsmitgliedern der ersten Stunde privat  finanziert wurde und an das Haus von Rudi und Antou anschließt. Die ersten Überlegungen, zwei Personen in einem Hotel unterzubringen, waren sehr schnell vom Tisch, nachdem Albert und Hans beschlossen haben, im Büro auf Matratzen zu schlafen. So hat sich schon am ersten Tag gezeigt, dass wir eine sehr unkomplizierte und homogene Gruppe sind. 10 Personen (Janny war schon 3 Wochen in Togo) in 3 Zimmern und im Büro auf dem Boden – Toll.

Am Abend haben wir mit Léon und Aristide bei einem Essen im Macumba – dem Restaurant, das zum ABCN gehört – die Terminplanung bis zum 15.11. exakt festgelegt. Für mich war klar, ein Mammutprogramm, das nur einzuhalten war, wenn es in der Gruppe keine gesundheitlichen Probleme gibt und die Fahrzeuge die 2000 km Lochpiste durch Afrika durchhalten. 

Sonntag 30.10.11

Am  Sonntag  hatten wir schon um 9.00 Uhr in einem Vorort von Kpalimé einen Termin bei katholischen Schwestern eines  chilenischen Ordens, die dort Waisenkinder betreuen.  Nach einem ergreifenden, afrikanisch geprägten Gottesdienst konnten wir an die Kinder  Schulranzen und mehrere Kartons mit Hilfsgütern, Kleidung und Spielsachen übergeben. Wir besichtigten dann das im Rohbau stehende Gesundheitszentrum des Ordens. Der Bau wird von der Luxemburgischen Nationalbank finanziert. Problematisch ist das Konzept, da zwar der Bau finanziert wird, aber Einrichtung, Personal und Unterhaltskosten noch nicht gesichert sind. Daher kam eine Anfrage an HILFE FÜR TOGO e.V.. Aus dem Container Nr. 29 wurden bereits 12 Krankenbetten, Matratzen, Bettwäsche und Handtücher für diese Einrichtung reserviert.

Nach einem kurzen Stopp am Wasserfall in Pime (353 m hoch) inmitten eines Naturschutzgebietes sind wir über eine abenteuerliche Bergstrecke aufs Plateau de Dayes gefahren, wo wir für 2 Nächte unser Quartier im Monastère Dzobegan – einem Männerkloster eines französischen Ordens – bezogen haben.

Nach der Zimmerverteilung sind wir nach Elavagnon und Tsahoé weitergefahren, wo wir von Rudi und unseren Tsahoé-Leuten empfangen wurden. Mit Rudi hatte ich ein ausgedehntes Vier-Augen Gespräch, bei dem ich aber leider feststellen musste, dass er, seit seiner Schädelverletzung mit anschließender Operation im Dezember 2010, nicht mehr belastbar ist. Darauf müssen wir Rücksicht nehmen und ihn in Zukunft mehr und mehr entlasten.  
Bei Dunkelheit fuhren wir über die katastrophale Piste zurück nach Dzobegan. Wir wurden noch von einem der letzten heftigen afrikanischen Regengüsse vor der Trockenzeit überrascht und konnten von 20.00 – 22.00 Uhr den Gesängen der Mönche in der herrlichen Kirche des Monastère lauschen, bevor um 22.00 Uhr das Stromaggregat abgeschaltet wurde und die Nachtruhe  begann.
Nicht für alle war die Nacht auf den harten Pritschen erholsam.

Montag 31.10.11
Bereits um 5.00 Uhr wurden wir  von den morgendlichen Gesängen der Mönche geweckt, und einige ließen es sich nicht nehmen, an der Morgenandacht teilzunehmen. Nach dem Frühstück  machten wir uns auf nach Atigba, wo wir die vom  Lions Club Aalen finanzierte Schule besuchten. Lehrer, Schüler und Eltern freuten sich über unseren Besuch. Die vor zwei Jahren eingeweihte Schule wirkt wie ein Schmuckstück und zeigt von der Bausubstanz her keinerlei Mängel. Das Lehrerzimmer wird inzwischen auch zum Vorschulunterricht genutzt.

Léon, der seit Tagen an einer schweren Erkältung litt, hatte einen Schwächeanfall. Wir schickten einen ehemaligen ABCN Azubi, der zufällig dazukam, nach Kpalimé, um Aristide zu benachrichtigen. Dieser war 3 Std. später da, um Léon und sein Auto nach Kpalimé zurück zu bringen.

Wir fuhren wieder nach Tsahoé, wo wir zu einer Besichtigung der Aufforstung starteten. Erstes Ziel war die Aufforstungsfläche 2011 – auf zwei Parzellen einer Hochfläche wurden 1,5 ha Cordia (schnellwachsendes Hartholz) und 0,5 ha mit Orangen, Pampelmusen und Zitronen - ähnlich einer Obstplantage - angepflanzt. Begeistert waren wir auch vom Wachstum des Bestandes, der in den letzten Jahren kontinuierlich angepflanzt worden war.

Wir konnten uns davon überzeugen, dass unsere Traktoren und Arbeitsgeräte, wie z.B. das Mulchgerät, einsatzfähig sind und dass damit auch gearbeitet wird. Die Abrechnung des Traktorenprojektes erfolgt zum Jahresende. Tendenziell wird auch 2011 wieder ein kleiner Gewinn erwirtschaftet.

Am Nachmittag  besuchten wir in Elavagnon noch unsere Schule (2008 erbaut), den Kindergarten (2010 erbaut) und das 2001 renovierte Behindertenzentrum. Freudig wurden wir empfangen und durch die Gebäude geführt. Einziger Wermutstropfen – die Befestigungsschrauben am Dach des Kindergartens waren unzureichend mit Dichtungen versehen. Aus diesem Grund konnte Wasser eindringen. Als Sofortmaßnahme musste der Bauunternehmer Robert K. die Schrauben erneuern und mit genügend Dichtungen versehen. Auf eigene Kosten wird er in Kürze auch den entstandenen Schaden an der Deckenkonstruktion reparieren. Im Behindertenzentrum möchten wir die Aufschrift an der Hauswand nachzeichnen lassen, da sie durch den Regen verwittert ist.

Im Dispensaire von Elavagnon  führte uns der Leiter Simeo durch die Räumlichkeiten und verwies dabei auf die schweren altersbedingten Mängel. Er wird uns eine Liste erstellen, auf der die dringendsten Reparaturmaßnahmen aufgeführt sind, damit verschiedene Bauunternehmer ein Angebot für eine Renovierung erstellen können.

Bevor wir am Abend die Rückfahrt zum Kloster antraten, wurden wir von Julie mit einem leckeren afrikanischen Fufu und Poulet bewirtet.

Dienstag 1.11.11
Die Mönche haben uns in den Schlaf gesungen und auch wieder geweckt. Nach dem Frühstück sind wir schon sehr früh aufgebrochen, um die Felder von Agogbo zu besichtigen. Wie jedes Jahr war es wieder ein Erlebnis. Auf Tsahoe sind alle auf den Hänger des Traktors umgestiegen und auf der holprigen Strecke erreichten wir die ca. 3 km entfernten Felder. Rudi erklärte der Reisegruppe das Konzept  der fast 13 ha großen Anlage. Nach 11 Jahren kontinuierlicher Arbeit ist der Erfolg nicht zu übersehen. So wurde im laufenden Jahr noch eine steinige Fläche von 0,6 ha aufgeforstet. Besonders erfreulich ist, das ehemalige Mitarbeiter des Projektes inzwischen ihre eigenen Felder in ähnlicher Weise (auch mit Wohnhaus, Dachrinne, Wasserzisterne, Latrine  usw.)  angelegt haben und ihre Früchte wie z.B. Ananas bis nach Europa  vermarkten. Weiter ging die abenteuerliche Schlepperfahrt auf der im Jahre 1998 von den Bewohnern Bawes in Handarbeit erbauten 7 km langen Piste, über die von uns finanzierte und vom ABCN erbaute Brücke nach Bawe. Dort besuchten wir  unser 2009 erbautes Dispensaire. Unsere mitreisenden Ärzte überprüften den Bestand der Medikamente, sowie die Eintragungen der Konsultationen. Unser unangemeldeter Besuch war für uns erfreulich und der „assistent medical“, der von uns finanziert wird, erhielt ein dickes Lob. Beschwerlich ging es mit dem Traktor zurück auf die Tsahoe-Farm, wo wir uns nach dem Mittagessen und einer kurzen Besprechung verabschiedeten  und die Rückreise nach Kpalimé (60 km afrikanische Straßen) antraten. Bei einem Abendessen im Macumba ließen wir die erlebnisreichen Tage ausklingen.

Mittwoch  2.11.11
Der Tag  begann mit einem  Höhepunkt der Reise. Schon um 9.00 Uhr fand die feierliche Übergabe unserer neu erbauten Schule statt. In Kpogatzi, dem ärmsten Stadtteil in Kpalimé, haben wir den Auftrag für den  Schulneubau, nach einem Beschluss vom Juli 2011, an das ABCN  gegeben. Es handelt sich um ein 38 x 12 m großes Gebäude mit einem großen Dachvorsprung von 4 Meter auf jeder Seite und einer isolierten Decke. Im Fundament sowie an der Decke befinden sich Stahlbetongürtel, die alle 6 Meter mit senkrechten Stahlbetonstützen verbunden sind. Dazu eine Latrine (WC Anlage) mit 6 Kabinen. Die Kosten für die Anlage beliefen sich auf 40.000,- €. Der Verein HILFE FÜR TOGO e.V. finanzierte 30.000,-€ und vom Ostalbkreis erhielten wir einen Zuschuss in Höhe von 10.000,- € . Dafür herzlichen Dank an Landrat Klaus Pavel, den Sozialdezernenten Josef Rettenmaier und den Sozialauschuss des Ostalbkreises.

Zur feierlichen Übergabe wurden wir stürmisch und herzlich von den ca. 680 Schülern, den Lehrern und Eltern begrüßt. Vom Auto wurden wir mit einem großen Hallo zum Schulplatz begleitet, wo uns ein sehr bewegter Festakt mit einem abwechslungsreichen  Programm und zehn Tagesordnungspunkten erwartete.
Zahlreiche Gäste waren anwesend, wie der Präfekt, der Sicherheitschef und der Schulinspektor der Region Kloto, der Bürgermeister von Kpalimé, Vertreter des Stadtteils und die traditionellen Chefs, der Bauunternehmer und Mitarbeiter des ABCN, Elternvertreter der Schule und viele mehr. Interessante Darbietungen der Schüler und Folkloregruppen umrahmten die Reden der Ehrengäste. Der Generalsekretär der Präfektur Kloto hat eine bemerkenswerte Rede gehalten. So sagte er z.B. „Er schämt sich, dass er Verantwortung in einem Land trägt, das nicht einmal in der Lage ist Schulen zu finanzieren“, oder „Bildung ist der erste und wichtigste Schritt zum Besseren“. Weiter betonte er: “Schule ist ein privilegierter Ort für den Frieden“. Wie immer bei solchen Einweihungsfeierlichkeiten, durfte auch ich als Vorsitzender des Vereins HILFE FÜR TOGO e.V. einen Beitrag in Form einer Rede halten, der von Judith, einer FSJ Praktikantin in perfektem Französisch simultan übersetzt wurde. Den Abschluss unseres Beitrags krönte Reinhard mit einem Trompetensolo „ Amazing Grace“, wofür er begeisterten Beifall erhielt. Der Höhepunkt der Veranstaltung war die Durchtrennung des weißen Bandes mit der symbolischen Übergabe der Schule.

Den Nachmittag verbrachte ich mit Léon und Robert D. im Büro, wobei die Abrechnung der Schule, Kontenüberprüfung, Vorbesprechung zum Jahresabschluss, sowie der Leistungsumfang eines Angebotes zum Wasseranschluss des Solidarité an die Stadtwasserversorgung durchgesprochen wurden. Die anderen Reiseteilnehmer waren im Magazin damit beschäftigt, die Spendengüter aus den beiden Containern, die noch nicht verteilt waren, zu sortieren und für die Verteilung vorzubereiten. Bärbel hat anschließend noch einen Termin im Atelier Orthopédie bei Alexis vereinbart und ihm mit der Gruppe einen Besuch abgestattet. Alexis konnte seine Werkstatt und seine Arbeit vorstellen. Die Kartons mit dem Material aus dem Container hatte er gerade ausgepackt und sich sehr über unsere Unterstützung gefreut. In diesem Zusammenhang hat er sich auch nochmals für die Gastfreundschaft bei seinem Besuch im Juli in Waldstetten bedankt. Nach einem anstrengenden, aber erfolgreichen Tag ließen wir den Tag beim Abendessen im Macumba ausklingen.

Donnerstag 3.11.11. 
Der Tag war voll und ganz unseren Auszubildenden und Mitarbeitern im ABCN gewidmet. Am Morgen hatten wir zunächst eine Diskussionsrunde mit allen Apprentis (Lehrlingen) im ABCN. Es ist immer wieder beeindruckend, wie 70 Lehrlinge, die 5 Ausbilder und der leitende Theorielehrer Thimothee Tamaklo in offener Runde mit uns diskutieren. Uns sitzen aufgeschlossene, junge Leute gegenüber, die dankbar für einen Ausbildungsplatz sind, sich aber nicht  scheuen,  auch brisante Themen anzuschneiden. Es kommt zum Ausdruck, dass die Verbesserungen im Bereich Umwelt, Betriebswirtschaft, Arbeitsrecht, Arbeitssicherheit, Medizin mit Aidsprophylaxe und Aufklärungsmaßnahmen, sowie die neu eingerichtete Bibliothek eine Ausbildung im ABCN einmalig machen. 
Die Organisation und die Verantwortung für die 5 Ausbildungsbereiche hat seit knapp 2 Jahren der Bauingenieur und Stellvertreter von Léon Djiossou, Aristide Attisso  übernommen.  25 neue Lehrlinge  werden uns vorgestellt, die sich auf  ihre dreijährige Ausbildung  im ABCN freuen. Zahlreiche Hilfsgüter wie Arbeitskleidung, Schutzbrillen, Schweißerhelme, Schürzen, Handschuhe usw. konnten wir aus dem Container an die Ausbildungswerkstätten übergeben, und im Gegenzug erhielten wir eine Liste, auf der noch dringend benötigtes Werkzeug aufgeführt ist. Als ich den Jugendlichen Lorenz Schmid aus Weilerstoffel vorstelle und erkläre, dass er für knapp ein halbes Jahr in Togo bleiben und im ABCN, bzw. in der Küche im Macumba  arbeiten wird, und nebenher auch zweimal wöchentlich mit Herrn Tamaklo Deutschunterricht und zweimal in der Woche Fußballtraining geben wird, brechen die Azubis in begeisterten Jubel aus.

Am Nachmittag besuchen wir fünf Außenstellen des ABCN. Hierbei handelt es sich um kleine Betriebe, die von ehemaligen Azubis des ABCN gegründet wurden und die immer noch in enger Zusammenarbeit mit ihrem ehemaligen Ausbildungsbetrieb stehen und z.B. große Maschinen des ABCN mit nutzen können. 50 Handwerksbetriebe, verteilt über das ganze Land, sind von ehemaligen Azubis schon gegründet worden.

Am frühen Abend hatten wir noch ein persönliches Gespräch mit 3 Auszubildenden aus jedem Jahrgang. Sie haben uns bestätigt, was schon in der großen Diskussion zum Ausdruck kam, und bedankten sich im Namen aller Azubis für die inzwischen fünfzehnjährige Finanzierung der Ausbildung.

Ab 19.00 Uhr begannen die Feierlichkeiten zur Lossprechung von 18 Lehrlingen. Bei einem Festakt, zu dem auch ihre Angehörigen und Familien geladen waren, erhielten sie ihre Abschlusszeugnisse und ihren Gehilfenbrief. Unbeschreiblich war die  Freude bei  den Absolventen über die  Geschenktüte mit je einem GEK-T-Shirt, einem KSK Schildkäppi, einem Schlüsselanhänger von der Hirschbrauerei und einem Kugelschreiber.vom Waldstetter Reisebüro.... Das sind dann Augenblicke, die einem unter die Haut gehen.... Mit kleinen Dingen kann man so viel Freude bereiten.

Freitag 4.11.11
Am Morgen traf ich mich mit Judith und Léon zu einem  Vorgespräch über den Besuch im Solidarité und den Sozialfonds. Judith, eine Medizinstudentin aus Deutschland, die als FSJ Praktikantin im Solidarité arbeitet, begleitete uns schon seit Beginn unserer Reise und war auf Grund ihrer sehr guten Französischkenntnisse eine sehr große Hilfe.

Ihre Vorgängerinnen im Solidarité,Julia Stadelmaier aus Straßdorf  und Julia Maier aus München, haben mit uns zusammen im letzten Jahr den Sozialfonds  verwaltet. Dieser wurde aus einer Spende des Abiturjahrgangs 2010 des Parler Gymnasiums unter der Federführung von Julia Stadelmaier gegründet und im Juli 2011 an Judith übergeben. Der Fonds ist monatlich auf 100.000 F CFA. (152,-€) begrenzt und wird von der jeweiligen Praktikantin eigenverantwortlich verwaltet. Jeder Fall muss kurz dokumentiert werden, und in der Regel ist der Ablauf stets derselbe: die Patienten kommen in das Centre Solidarité und im modern eingerichteten Labor werden Blut usw. untersucht. Oft wird Malaria, Amöbenruhr, Typhus oder Ähnliches festgestellt. In der Krankenhausapotheke können die Patienten ihr vom Arzt ausgestelltes Rezept einreichen und die entsprechenden Medikamente kaufen. Mindestens zweimal in der Woche gibt es Patienten, die diese Medikamente gar nicht oder nur zum Teil bezahlen können, was dann zur Folge hat, dass die Patienten unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Es handelt sich in der Regel um Beträge von 5,- bis 40,- Euro, die hier oft über Leben und Tod entscheiden. Seit Inkrafttreten des Fonds konnten 65 Patienten unterstützt werden. (Im Anhang informieren wir anhand von 6 Beispielen über diese Patienten).  Während ich mit Judith die Abrechnungen besprochen und geprüft habe, waren die anderen Reiseteilnehmer an unserer neuen Schule und haben dort 95 gespendete Bänke fotografiert. Wie jedes Jahr eine Mammutaufgabe....bei Temperaturen um 40°C  muss ein geeigneter Platz gefunden werden, an dem die Bänke einzeln mit den Kindern, die sich um einen Sitzplatz auf der Bank streiten, fotografiert werden. Es kostet einige Mühe, die Bänke aus der Schule und auch wieder zurück zu tragen, die Kinder einigermaßen im Zaum zu halten und die Lehrer am Gebrauch ihrer (Schlag-)Stöcke zu hindern. Schweißgebadet konnte die Aktion nach einigen Stunden abgeschlossen werden, und die Spender in Deutschland erhalten ein Foto von ihrer persönlichen Schulbank in Togo.

Am Nachmittag werden wieder Kartons im Containerlager sortiert und zur Verteilung hergerichtet. Unsere beiden Praktiker Albert und Hans bringen einen Rasenmäher für Antou  und  zwei Schweißgeräte in Gang. Die Azubis in der Schweißerabteilung sind voll  bei der Sache und sprachliche Barrieren gibt es nicht - Schwäbisch reicht voll aus. Es stellt sich heraus, dass noch einige Kleinteile aus Deutschland organisiert werden müssen, um die Schweißgeräte zum 100%igen Einsatz zu bringen. Sie werden im nächsten Container mitgeliefert.

Samstag 5.11.11
Schon am frühen Morgen waren wir zu einer Visitation im Solidarité, der von uns seit Jahren unterstützten Krankenstation, eingeladen. In dem kleinen, aber feinen Gesundheitszentrum sind 27 Personen beschäftigt. Vor zwei Jahren haben wir dort den Einbau von zwei Isolierzimmern finanziert und jedes Jahr kommen mit dem Container viele Spendengüter in das Zentrum. In seiner Begrüßung hat der Direktor Emanuel  auf die unbefriedigende Situation im Jahr 2010 hingewiesen. Er und alle Mitarbeiter freuten sich sehr, dass sich die im vergangenen Jahr besprochenen Maßnahmen positiv auf die Beliebtheit der Krankenstation ausgewirkt haben. Die Stimmung innerhalb des Personals hat sich erheblich verbessert, die Ausrüstung hat sich verbessert und der Sozialfonds wirkt sehr positiv.

Zitat von Emanuel: „Es belastet uns alle sehr, wenn wir eine Mutter mit ihrem todkranken Kind nach Hause schicken müssen, weil das Geld für die Medikamente nicht vorhanden ist.“

Die positive Entwicklung in Zahlen:
Patienten in der Sprechstunde

  • bis zum  3.   Quartal   2009   1113  Patienten
  • bis zum  3.   Quartal   2010     810  Patienten
  • bis zum  3.   Quartal   2011   1121  Patienten

68 Geburten konnten bis zum  3. Quartal 2011 verzeichnet werden, 2010 waren es nur 47. Emanuel bedankte sich bei HILFE FÜR TOGO und bittet weiterhin um gute Zusammenarbeit. Er sichert uns zu, dass auch sie selbst sich sehr anstrengen, so haben sie eine Zertifizierung angestrebt und auch erhalten, dass im Solidarité auch HIV-infizierte Frauen entbinden dürfen. Das Zertifikat wurde im Februar nach strengen Kontrollen von der togoischen Gesundheitsbehörde übergeben.  Außerdem hat das Solidarité die staatliche Anerkennung als Familienplanungsstelle  erhalten. Als große Bitte tragen uns die Verantwortlichen ihren Wunsch nach einer zuverlässigen Wasserversorgung vor. Geplant wäre der Bau eines Brunnens oder der Anschluss an die zentrale Stadtwasserversorgung, und zu beiden Varianten werden uns Kostenvoranschläge überreicht. Wir versprechen diesen Punkt mit unseren Vereinsmitgliedern  zu beraten und baldmöglichst nach  einer Lösung zu suchen. (Anm.: auf der Sitzung am 3.12. bereits beschlossen)

Am Nachmittag fuhren wir auf die „Misahoe“ (benannt nach Misa, der Geliebten des ehemals dort residierenden „Kommissar des Deutschen Reiches für Togoland“ Jesko von Puttkamer), einem Höhenzug oberhalb von Kpalimé. Dort befindet sich eine Aufforstungsfläche des ABCN. Anfangs war ich in Bezug auf das Projekt sehr skeptisch und habe alles andere als einen Erfolg erwartet. Das Gelände von insgesamt 16ha wurde im Grenzbereich mit einer Baumreihe begonnen. Im hinteren Teil des Grundstückes haben unsere Lehrlinge im Zuge eines Umweltprogramms mitgeholfen, Laubbäume in einer Mischkultur mit Maniok zu pflanzen. Maren, Hans und Albert hatten entsprechendes Schuhwerk an und haben gemeinsam mit Aristide den Bestand  kontrolliert. Der Rest der Gruppe hat den kürzeren Weg gewählt. Hans und Albert als Fachmänner in der Land- und Forstwirtschaft waren sehr zufrieden mit der Aufforstung. Insgesamt wurden 2010 und 2011 über 6000 Bäume gepflanzt. Es ist geplant, jährlich ca. 3 ha aufzuforsten. Die Kosten sind im Ausbildungsbudget  des ABCN verbucht.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit haben wir den Deutschen Friedhof des Kolonialsitzes bei der Misahoe besucht. Das „Kampement“ auf der Misahoe diente den Soldaten der Kolonialmacht als Erhohlungsort, da hier ein wesentlich angenehmeres Klima herrscht als in Kpalimé oder gar in Lomé. Etwa 1 km unterhalb der Misahoe erreichten wir nach einem sehr anstrengenden Fußmarsch durch Dickicht und Gestrüpp den Deutschen Friedhof, auf dem die preußischen Soldaten, die „jung an Jahren und fern der Heimat ihr Leben lassen mussten“ (wie auf den Grabsteinen zu lesen ist) beigesetzt wurden. 
Wir waren sehr enttäuscht, wie verwildert und verkommen die Anlage  ist, die angeblich von Mitarbeitern der deutschen Botschaft unterhalten und gepflegt wird.

Sonntag 6.11.11
Nach einer recht anstrengenden Woche wollten wir uns heute ein Schonprogramm gönnen. Nach einem ausgedehnten Sonntagsfrühstück starteten wir zu einer abenteuerlichen Fahrt  auf den Agouberg (989m).  Auf einer steil ansteigenden, schmalen und holprigen Bergstraße, mitten durch Busch und Urwald mit einer wunderbaren Flora und Fauna, erreichten wir Dogbazie. Für zwei Stunden haben wir die angenehmen Temperaturen von „nur“ knapp 30°C und eine herrliche Aussicht genossen. Bei der  Rückfahrt besuchten wir „Usch im Busch“, eine inzwischen über 70-jährige Deutsche, die sich vor 30 Jahren in Agou Nyogbo niedergelassen und dort ein kleines Dispensaire aufgebaut hat. Seit 16 Jahren wird sie von HILFE FÜR TOGO unterstützt. Sie erhielt unter anderem 1997 unsere erste Photovoltaikanlage, die wir nach Togo geschickt haben. Somit hat sie Licht und einen kleinen Medikamentenkühlschrank in einer Region, in der es sonst keinen Strom gibt, und die Anlage funktioniert wie am ersten Tag - was die kalten Getränke zeigen, die Usch jedes Jahr im November  für ihre Freunde aus dem Schwobaländle bereit hält. Usch ist in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Obwohl sie ja immer schon ein Leichtgewicht war, gefiel sie uns mit ihren ca. 35 kg überhaupt nicht. Die Unterarmfraktur vom vergangenen Jahr ist sehr schlecht verheilt und wir haben Alexis gebeten, für Usch eine Stützmanschette zu fertigen. Gleich am nächsten Tag hat er Usch einen Besuch abgestattet, ihr die restlichen Pakete aus dem Container gebracht und für die Manschette Maß genommen. Im Dispensaire wird Usch von  einer Krankenschwester und einem Krankenpfleger unterstützt. Zum Abschied sangen wir ihr das Lied „Ei du Mädchen vom Lande“ und hoffen, dass wir uns im nächsten Jahr wieder sehen. Bei Einbruch der Dunkelheit fuhren wir schließlich die ca. 30 km zurück nach Kpalimé.

Montag 7.11.11
Heute hieß es früh aufstehen, denn bereits um 7.30 Uhr wollten wir uns im ABCN mit Aristide treffen und zu unserer Reise in den Norden aufbrechen. Léons Erkältung hat sich inzwischen zu einer Lungenentzündung entwickelt und somit konnte er nicht mitfahren, sondern musste das Bett hüten. Mit zwei Autos traten wir die über 350 km lange Strecke über Atakpamé und Sokodé nach Kara an. In Sodo legten wir unseren ersten kurzen Stopp ein um die dortige einst von uns finanzierte Kirche zu besichtigen. Sie befindet sich in einem guten Zustand und auch die Außenanlage ist sehr gut in Schuss.
Nach ca. 80 km fast unzumutbarer Holperpiste machten wir eine Pause in Atakpamé. Bei einem ehemaligen ABCN Lehrling bestaunen wir eine Drehbank, die er vor zehn Jahren von uns als Starthilfe zur Selbstständigkeit erhalten hat. Er hat zwei Mitarbeiter und ist sehr erfolgreich.

Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse liegen wir schon eine Stunde hinter dem Zeitplan, vorbei an liegengebliebenen LKW ging die Fahrt weiter nach Sokodé und zwischendurch fragte ich mich „wo ist die Straße?“, denn es befindet sich Loch an Loch.
In Sokodé gönnten wir uns eine kurze Pause mit erfrischenden Getränken und frischen Bananen, die es überall an der Straße zu kaufen gibt. Wir setzten die Fahrt fort und schon nach wenigen Kilometern versagte der Diesel von Aristide - ein schlechtes Omen. Ich war schon dreimal in Sokodé und jedes Mal hatten wir Autopannen. Daher der Spruch „In Sokodé isch 's Auto hee“.

Nachdem das Auto mehrmals stehen blieb, haben wir uns vor der Steilstrecke und bei einsetzender Dämmerung entschlossen, nach Sokodé zurückzukehren. Ein Anruf bei Léon genügte: „Alles kein Problem, auch in Sokodé hat sich ein ehemaliger Lehrling des ABCN niedergelassen und seine Autowerkstatt mit unserer Hilfe gegründet. Wir setzten mit dem Sprinter unsere Fahrt fort, und nach gut einer Stunde konnte auch Aristide mit Lorenz und Janny wieder starten. Nachdem wir ca. 13 Std. gefahren waren und die Buchung in unserem Hotel irgendwie untergegangen ist, hat uns ein Freund von Aristide Zimmer in einem anderen Hotel organisiert und wir konnten den Tag in einem Gartenrestaurant am Siegesplatz in Kara ausklingen lassen.

Dienstag 8.11.11

Wir treffen uns mit Herrn Mangnangou in dem Gartenrestaurant zum Frühstück. Er ist der örtliche Organisator der „Togohilfe Donzdorf e.V.“ und Schuldirektor an einer Schule, die auch von den Donzdorfern unterstützt wird. Durch die Größe unserer Gruppe wirkte er zunächst ein wenig erschrocken. Wahrscheinlich war er auch etwas unsicher, da nach sieben Jahren erstmals wieder Besucher aus Deutschland kamen, um die Projekte der Togohilfe Donzdorf zu besichtigen. Als wir mit ihm um 10.30 Uhr starteten, wusste keiner von uns wohin... Es ging Richtung Beningrenze.

Wir besichtigten

  • das Schulgebäude in Abouda, es wurde im Jahr 2000 erbaut und von den Donzdorfern finanziert.
  • das Schulgebäude von Kpanzinde, 1997 von den Donzdorfern erbaut. Hier wird auch eine Lehrerin finanziell unterstützt.
  • EPP Limkao, ein Schulgebäude mit 3 Klassen und ein Büro.
  • das Dispensaire Limkao, die Hebame wird von der Togohilfe Donzdorf finanziert und arbeitet mit dem CHU Kara zusammen. (Familienplanung,  Impfungen usw.)
  • das Schulgebäude in Agban. Es wurde 1996 für 350 – 400 Schüler erbaut. Dort werden gerade drei Häuser für Lehrer gebaut, da sonst keine Lehrer in die abgelegene ländliche Region kommen, um dort zu unterrichten.
  • das Schulgebäude in Nekereda. 2000 wurden 3 Klassenzimmer gebaut und 2008 drei weitere Klassen und ein Büro. Auch hier an der Grenze zu Benin wurde ein kleines Lehrerhaus und eine Latrine mit 4 Kabinen gebaut.

Nach der Besichtigungstour haben wir uns in einer Schule zusammengesetzt und über die schwierige Situation in der ländlichen Grenzregion gesprochen. Ich glaube, wir haben uns sehr gut verstanden und die anfangs angespannte Stimmung hat sich entspannt, nachdem Herr Mangnangou gemerkt hatte, dass wir mit dem  Stand der Projekte weitgehend  zufrieden waren. Bei unseren Gesprächen über die weitere Zusammenarbeit erwähnte Herr Mangnangou, dass er im Radio gehört habe, dass unser Verein Container mit Hilfsgütern nach Togo schickt. Er und auch die anderen Lehrer betonten, dass sie sehr an einer solchen Unterstützung interessiert seien. Wir versprachen, diesbezüglich und auch zwecks der weiteren Unterstützung mit der Togohilfe Donzdorf Gespräche zu führen. Nach dem offiziellen Teil wurden wir zu Fufu und Soße mit verschiedenem Fleisch eingeladen. Mit Geschenken aus dem Container (T-Shirts, Fußballtrikots, 2 Fußbälle,  Schildmützen für die Kinder und Bettwäsche für die Köchinnen bedankten wir uns für die Gastfreundschaft und verabschiedeten uns von einem zuverlässigen Koordinator, den die Togohilfe Donzdorf hier vor Ort hat. Es war bereits dunkel, als wir wieder im Hotel in Kara waren, und nach einem anstrengenden Tag gab es zunächst kein Wasser zum Duschen, da die Wasserleitung defekt war. Der Schaden konnte aber glücklicherweise behoben werden, und so konnten wir dann doch noch geduscht den Tag beenden.

Mittwoch 9.11.11
Zunächst sind wir nach Niamtougou gefahren. Dort befindet sich ein ehemaliges Projekt des DED (Deutscher EntwicklungsDienst). Der geistige Vater des Projekts ist Heinz Söndgen , der beim DED als Entwicklungshelfer war und gemeinsam mit seiner Frau das Projekt aufgebaut hat. Auch heute liegt es ihm noch sehr am Herzen und er  unterstützt  die Werkstätten, in denen über 60 körperlich und/oder geistig behinderte Menschen arbeiten, immer noch. Auch HILFE FÜR TOGO  hat die Werkstätten in den vergangen Jahren unterstützt  und mit Hilfsgütern aus den Containern bedacht. Die Behinderten arbeiten in 2 Schichten. Baumwollstoffe werden  mit meist afrikanischen Motiven bemalt oder in Batik eingefärbt und zu Kleidungsstücken, Taschen, Tisch- und Bettwäsche usw. verarbeitet. In einem kleinen Laden, der dem Zentrum angegliedert ist, werden die sehr schönen und sehr gut verarbeiteten Stücke verkauft. Wir sind von der Führung durch das Zentrum beeindruckt und versprechen, uns Gedanken über eine verstärkte Unterstützung zu machen. (Anm.: auf der Sitzung am 3.12. wurde u.a. der Kauf von Batikfarben aus einer Unternehmensauflösung beschlossen)

Am Nachmittag fuhren wir über eine 10 km lange miserable Piste zum UNESCO Weltkulturerbe, den Tata-Gehöften der Batammariba in der Region Koutammakou. Die rund 500 km² umfassende Kulturlandschaft ist eingezäunt und besteht aus landwirtschaftlich genutzten Flächen, Wäldern und 36 Dörfern. Die Takienta-Wohntürme mit ihren Bewohnern aus dem Stamm der Batammariba wurden vor 3 Jahren zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. In Koutammakou – einem Landstrich im nordöstlichen Togo mit Ausläufern bis nach Benin - stehen die Tata-Gehöfte mit ihren Takienta-Turmhäusern, die zu einem Symbol des Landes geworden sind. Die Gehöfte wurden von den Batammariba zum Schutz vor den kriegerischen  Stämmen Benins erbaut. Diese überfielen die Volksstämme regelmäßig, um ihnen ihre jungen Frauen zu rauben. Die ringförmig angelegten Gehöfte (Tata) aus kreisrunden Einraumgebäuden, die mit einer Mauer untereinander verbunden sind, werden von einer Großfamilie bewohnt. Die bis zu zweistöckigen Gebäude haben unterschiedliche Funktionen und dienen als Wohnraum, Stall oder Getreidespeicher. Sie sind gut durchdacht, schützen die Bewohner vor Einbrechern und haben verschiedene eingebaute Abwehrfunktionen gegen eindringende Feinde. Oben werden sie durch z.T. flache und spitzkegelförmige Dächer abgeschlossen, was ihnen in Verbindung mit dem Baumaterial Lehm ein anmutiges Aussehen verleiht. Die burgenähnlichen Anlagen sind bewohnt und bei der Führung erfahren wir Interessantes über das Leben des Volksstammes. 
Für uns ist es ein fragwürdiger Ausflug. Warum ernennt man Dorfgemeinschaften, die in ihrer alten, bewundernswerten Tradition leben und in hochintelligent erbauten Häusern leben, zu einer „paysage culturel“, wenn dadurch die Einheimischen wie in einem Zoo zur Schau gestellt werden und wir schon am Eingang das Gefühl haben, in das Privatleben der Menschen einzudringen. Darüber hinaus stellt sich für uns die Frage, ob das Eintrittsgeld auch wirklich den Menschen in den Dörfern zugutekommt. 

Donnerstag 10.11.11

Heute hieß es wieder früh aufstehen, denn wir starteten zu der rund 500 km langen Fahrt nach Agbétiko im Süden des Landes. Nach fasst 11stündiger Fahrt trafen wir um 19.00 Uhr im Hotel Millenium in Avagnon ein. Nachdem wir uns nur kurz frisch gemacht hatten ging es weiter in das 10 km entfernte Agbétiko, den Heimatort von Léon, der uns dort inzwischen wieder einigermaßen gesund  erwartete. Wie immer verwöhnte uns hat seine Frau Marie mit ihrer köstlichen afrikanischen Küche. Nach einem anstrengenden Tag waren wir froh, dass wir bei den hohen Temperaturen und der relativ hohen Luftfeuchtigkeit am Mono in klimatisierten Zimmern schlafen konnten.

Freitag 11.11.11
Eigentlich hatten wir für den heutigen Tag kein großes Programm vorgesehen. Auslaufen lassen lautete unser Motto. Doch dann kam alles anders. Zunächst führte Leon uns durch sein Heimatdorf an den Mono - den größten Fluss Togos, der hier auch die Grenze zu Benin bildet. Der Weg führte durch einen kleinen Palmenwald, in dem gerade die Palmweinernte lief. Zunächst wurden die Ölpalmen gefällt. Am Ende des Stammes wurde die Rinde aufgeschlitzt und ein Gefäß (Tontopf, Kalabasse oder Kanister) untergestellt. Um dem Gefäß einen besseren Halt zu geben, war es etwa zur Hälfte in den Boden eingegraben. Der milchige Palmsaft aus der aufgeschlitzten Rinde tropfte in das untergestellte Gefäß. Den köstlichen Saft durften wir aus einer Kalebasse probieren. Er war ganz frisch und noch unvergoren, also noch ohne Alkohol. Nach der Vergärung entsteht aus dem Palmsaft der Palmwein, der dann so getrunken wird oder durch Destillieren zum landestypischen Sodaby verarbeitet  wird.
Im Anschluss besichtigten wir im Nachbarort ein ehemals südkoreanisches Reisprojekt. Wegen technischen Mängeln an der Wasserversorgung war es jetzt 10 Jahre außer Betrieb. Nachdem vor  zwei Jahren die Staatsbank des Sudan eine Kredit in Höhe von 700 Millionen € bewilligt hatte, konnte das 600 ha große Areal großzügig geplant werden. Natürlich können wir das Projekt nicht beurteilen, doch machen wir uns Gedanken, da viele Kleinbauern enteignet wurden. Das Aufstauen des Monos wird großen Einfluss auf den Verlauf des Flusses und auf die Dörfer und Menschen am Ufer des Mono haben. Riesige Reisfelder prägen das Landschaftsbild und nur auf den Randstreifen können die Menschen ihre traditionellen Früchte anbauen.
Wir fahren danach weiter nach Hunkpatie und Mome. Leon berichtet, dass wir dort von einem Verein mit dem Namen „Mokpokpo“ (Hoffnung) erwartet werden. Bei der Begrüßung in einer Payotte am Haus eines der Mitglieder, werden wir bei kühlen Getränken und frisch gerösteten Erdnüssen über den Verein informiert. Ziel ist es, die umliegenden Dörfer und Siedlungen weiter zu entwickeln und dabei vor allem die hygienische, medizinische und wassertechnische Situation zu verbessern. Auf einer Rundfahrt werden uns diese Anliegen nahe gebracht. In Mome steht in der Dorfmitte ein ca. 12 Meter tiefer Brunnen. Viele Dorfbewohner haben sich versammelt und zeigen uns die schmutzig, braune Brühe, die sie aus dem fast leeren Brunnen schöpfen. Die Botschaft „wir haben kein Wasser – helft uns“ haben wir beim Anblick dieser Dreckbrühe sehr gut verstanden. Etwa 200 Meter daneben befinden sich zwei  Schulgebäude für ca. 500 Schüler. Man kann sich fast nicht vorstellen, dass  in diesen baufälligen Lehmhütten Unterricht stattfinden kann, und somit ist die Anfrage nach einer neuen Schule für uns vollkommen nachvollziehbar.
Auf dem Dorfplatz neben dem Dispensaire, welches aus dem letzten Container sechs Krankenbetten, Verbandsmaterial, Bettwäsche usw. erhalten hat, haben sich Hunderte von Menschen aus den umliegenden Dörfern und Siedlungen versammelt.
Bei einem Festakt mit 12 Programmpunkten mit Ansprachen, Folkloregruppen und afrikanischer Musik bedanken sich die Menschen in beeindruckender Weise  für die Spenden aus dem Container. Dabei unterstreichen sie aber auch die Dringlichkeit  ihrer Anliegen und Wünsche nach sauberem Wasser und einer Schule. Bei der anschließenden Besichtigung  des Dispensaires können wir sehen, wie wichtig und sinnvoll die Hilfsgüter aus dem Container  hier sind. 
Es war dann schon dunkel, als wir uns von den vielen Menschen verabschiedet hatten  und nach  Agbetiko zurückfuhren. 
Bei einem afrikanischen Essen, das Marie für uns vorbereitet hat, haben wir uns noch lange über die Eindrücke des Tages unterhalten.

Samstag 12.11.11   
Für Franziska, Hans und Reinhard war heute schon der Tag der Heimreise. Bereits um 8.00 Uhr starteten sie mit Aristide in Richtung Lomé zum Flughafen.
Wir anderen, Maren, Dominik, Judith, Lorenz, Albert, Janny, Uhma, Marie, Leon  Bärbel und ich, starteten zu unsere Rückreise nach Kpalimé. Auf einer abwechslungsreichen Strecke mit mal großen und mal kleinen Löchern legten wir die 290 km in gut 9 Stunden reiner  Fahrzeit zurück und waren dann kurz vor Einbruch der Dunkelheit am Ziel, wo wir dann im Macumba den anstrengenden Tag beendeten.

Sonntag 13.11.11

Gemeinsam mit Léon gab es für mich  im Büro noch viel aufzuarbeiten und zu besprechen.

  • Das Angebot für die Wasserversorgung im Solidarité – wer ist die ausführende Firma
  • Brunnenbohrung in Mome, Ausführung und Kostenvoranschläge
  • Kostenvoranschläge für das Dispensaire in Elavagnion
  • Standort, Bau und Einrichtung der Metzgerei (von Scherrenbacher)
  • Ausbildung von Metzgern
  • medizinische Geräte aus dem Container – Verwendung usw.

Die Aktiven der Gruppe haben mit Lorenz derweil seinen Umzug vom Schwabennest zu Marie organisiert und sein Gepäck sowie seine Kartons aus dem Container in sein neues Zuhause gebracht. Er wird dort während seines Praktikums im ABCN und Macumba bis voraussichtlich Mitte April untergebracht sein und kann dabei das Leben von afrikanischen Familien hautnah erleben.
Nachdem sie dann noch die restlichen Schulbänke von der Werkstatt ins Freie transportiert hatten, konnten diese noch fotografiert werden. Im Vergleich zur letzten Fotoaktion klappte es sehr gut und die Kinder waren mit Feuereifer bei der Sache. Die Azubis aus dem ABCN organisierten dann den Rücktransport in den Lagerschuppen und so blieb noch Zeit, um die restlichen Hilfsgüter aus dem Magazin zu sortieren und für die Verteilung vorzubereiten.

Montag 14.11.11
Abschiedsstimmung!
Was müssen wir noch erledigen? Schaffen wir alles?
Ich merkte, dass Judith, die schon einige Tage leicht angeschlagen ist, nicht fit war.
Lorenz hatte ebenfalls ein leichtes Magen – Darm Problem. Auch Maren war nicht so ganz fit, während sich Dominic wieder auf dem Weg der Besserung befand. 
Judith, Leon und ich konnten die Buchhaltung des Wirtschaftsjahres vom 1.12.10 bis zum 14.11.11 abschließen und so konnte ich alle Unterlagen, Kontoauszüge usw. mit nach Hause nehmen.

Der Rest der Gruppe war mit den restlichen Containergütern beschäftigt. Im Centre Artisanal, bei den Schnitzern und auf dem Markt werden noch einige Souvenirs gekauft, und am Abend sind wir zum Abschied bei Léon zum Essen eingeladen. Schweinebraten – afrikanisch. 
Alle waren doch ganz schön erschöpft, aber irgendwie auch sehr zufrieden. Man spürte, wie sehr doch die Herzen mit Togo verbunden sind. Bei mir sind an diesem Abend die Erfolge von HILFE FÜR TOGO e.V. wie ein Film abgelaufen und ich bin mir sicher, dass nicht nur Leon und ich an diesem Abend richtig zufrieden waren.   

Dienstag 15.11.11

Schon sehr früh beginnt der heutige Tag, denn pünktlich um 8.00 Uhr starteten wir nach Lomé in Richtung Airport.
Nachdem wir unser Gepäck dort abgegeben hatten, trafen wir uns traditionellerweise im Marox, einem ehemaligen deutschen Restaurant der Moxelgruppe, zum Mittagessen. Dabei hatten wir noch einmal die Gelegenheit, mit unseren togoischen Freunden die letzten Ideen und Visionen auszutauschen und zu diskutieren. Judith konnte leider nicht mitkommen, da sie an einer Malaria erkrankt war und  im Labor auch Amöben nachgewiesen wurden.
Den Nachmittag verbrachten wir am nahegelegenen Strand, genossen das Meer und die Sonne am afrikanischen Himmel, bevor wir am Flughafen von unseren vielen Freunden, die extra nach Lomé gekommen waren, verabschiedet wurden. 
Mit fünf Stunden Verspätung startete der Flieger wegen technischer Probleme, und so kamen wir dann erst am nächsten Nachmittag, ganz schön erschöpft, nach Hause.

Mir ist es ein wichtiges Anliegen, mich bei allen Reiseteilnehmern ganz herzlich zu bedanken für den gegenseitigen Respekt, die Toleranz - ohne die eine solche Reise mit einer so großen Gruppe nicht zu bewältigen wäre – und die gute Stimmung, die bei der ganzen Reise herrschte. Mit einem sehr guten Gefühl konnten wir die Heimreise antreten und bedanken uns bei allen Gönnern und Freunden von HILFE FÜR TOGO, die durch ihr Engagement in Deutschland die Projekte in Togo tatkräftig unterstützen und dafür auch mit zur Verbesserung der Lebensbedingungen für viel Menschen im westafrikanischen Togo beitragen.   
Anton Weber