Land & Leute

Die Togoer sind ein lebenslustiges und fröhliches Volk. Musik und Gesang begleiten sie durch den Alltag. 

Das Leben in Togo spielt sich im Freien ab. Dort wird gekocht, gegessen, gewaschen, gearbeitet und in der Trockenzeit auch oft geschlafen. Morgens steht man gegen 5 Uhr mit der Sonne auf. Abends in der Dämmerung (ca. 18 Uhr) beginnt man mit dem Kochen des Abendessens. Anschließend sitzt man noch zusammen oder trifft sich auf ein Bier in der nächsten Bar. 

Togoer sind grundsätzlich unpünktlich und haben jede Zeit der Welt. Was sich nur nach einem typischen Vorurteil über Südländer anhört, kann Deutsche in Togo anfangs schon wirklich ärgern. Ist 8 Uhr als Treffpunkt ausgemacht, so ist 10 Uhr auch ok. Bei gewissenhaften Togoern kann man aber ab einer halben Stunde Verspätung mit einem Anruf rechnen. Bei der Tagesplanung sollte zudem beachtet werden, dass Togoer zwischen 12 Uhr und 15 Uhr eine Siesta abhalten, welche ihnen heilig ist. Diese Mentalität kann aber auch sehr entspannend sein, weit weg vom Stress und Zeitdruck in Europa.

Sehr großes Ansehen genießen in Togo alte Menschen und die jeweils  Ranghöchsten. Ihnen bringt man stets den entsprechenden Respekt entgegen. So ist es üblich, dass man ältere Frauen, wie beispielsweise die Hebamme, mit „Mama“ anspricht.

In Togo sind scheinen alle Menschen „mon frère“ oder „ma sœur“ (mein Bruder, meine Schwester) zu sein. Jedoch sollte man sich davon nicht in die Irre leiten lassen. Dies hat oftmals nichts mit dem Verwandtschaftsgrad zu tun, sondern mit Freundschaft, Respekt und Anerkennung. In Ewe sind die Begriffe „tata“ (große Schwester) und „fofo“ (kleine Bruder) geläufig.

Bestehende Verwandtschaftsgrade sind für Nicht-Afrikaner oft unverständlich und undurchschaubar. Togoer legen jedoch großen Wert auf ihren Stammbaum. Die weitverbreitete Polygamie trägt ihr Übriges dazu bei. Nicht selten ist ein Mann mit drei, vier, fünf oder mehr Frauen verheiratet. Dies gilt als Zeichen für Reichtum. Die Vorstellung von Geschwistern sollte daher stets mit dem Satz „même père“ oder „même mère, même père“  (vom gleichen Vater oder gleicher Vater, gleiche Mutter) begleitet werden.

Togoische Ehen sind vor allem in ländlichen Regionen oftmals arrangiert. Der Vater oder Großvater der Braut sucht sich selbst einen standesgemäßen Schwiegersohn aus und bestimmt auch den Zeitpunkt. Die Anforderungen an die Mitgift sind unterschiedlich, mal werden alkoholische Getränke und Utensilien für die Hochzeitsfeier (Stoffbahnen, Schmuck) oder alltägliche Gebrauchsgegenstände verlangt. Die Mitgift ist ein Zeichen für die Wertschätzung und Anerkennung, die der Braut durch ihren Zukünftigen entgegengebracht wird.

Die offizielle Hochzeit ist in Togo eher eine reine Formsache. Dazu treffen sich das Brautpaar mit den Eltern der Braut zu einer Unterschrift auf dem Amt. Die traditionelle Trauung hingegen wird groß zelebriert.

Vor der Trauung muss in jedem Fall angegeben werden, welche Form der Ehe (Monogamie, Polygamie) gelebt wird. Desweiteren ist ein vorheriger AIDS-Test von beiden Seiten gerne gesehen.

Der Verlobungsring wird am Ringfinger der rechten Hand getragen, der Ehering am Mittelfinger. Ein „artiger“ Ehemann zeigt seinen Ring jedoch nicht in der Öffentlichkeit, da Männer mit Ring aus Sicht vieler unverheirateter  Frauen wohlhabend und damit das gefundene Fressen sind.

Große Ehre wird den Ehepaaren am Tag ihrer Goldenen Hochzeit zu teil. Mit Kirchenchor, Musikkapelle und Umzug durch das Viertel wird dieser Tag begangen. Hierfür wird sogar ein eigens angefertigtes weißes Brautkleid getragen. 

Kinder in Togo tragen grundsätzlich den Familiennamen des Vaters. Ist der leibliche Vater „unbekannt“, so muss trotzdem eine männliche Person als Vater und Namensgeber eingetragen werden. Kommen mehrere Männer als Erzeuger in Frage, entscheidet die Frau. Vaterschaftstests sind teuer und zudem verpönt. Möchte der Vater für die Versorgung von Mutter und Kind nicht aufkommen und schließt eine Heirat aus, so ist er dazu verpflichtet, ihnen monatlich einen Betrag von 30 000 CFA (45€) zukommen zu lassen.

Kunterbunt ist auch sonst das Treiben auf Togos Straßen. Ein allseits beliebtes Transportmittel sind die Buschtaxis. Sie halten nach Wunsch und an ausgewiesenen Haltestellen in verschiedenen Städten und Dörfern und werden für größere Fahrten genutzt. Diese Autos sind grundsätzlich überladen. Nicht selten werden in einem einfachen Fünfsitzer zehn bis zwölf Personen (vier vorne, acht hinten) transportiert, dazu mehrere Gepäckstücke und Tiere. Auch wenn dies für einen Europäer unglaublich und unzumutbar erscheint, ist eine Fahrt im original togoischen Buschtaxi für jeden Besucher ein Muss.

In Städten, wie beispielsweise Kpalimé, nutzt man in der Regel das Mopedtaxi. Durch einfaches Nicken oder Heranwinken kann man die Fahrer auf sich aufmerksam machen und nach Verhandeln des Preises durch die Stadt düsen. Für Weiße kostet die einfache Fahrt schon gerne auch mal das Doppelte. Bei Kenntnis der üblichen Preise und Standhaftigkeit ist diese aber schnell wieder auf Normaltarif. Für eine Fahrt ist in etwa mit 150-200 CFA (30 Cent) zu rechnen.

In der togoischen Bevölkerung sind auch Fahrräder sehr beliebt. Daher sammeln wir vom Verein HILFE FÜR TOGO für unsere Hilfscontainer Drahtesel für Klein und Groß.